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Verständnis: IS-Kurve

Vorlesung von Armin Rohde
leo
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Verständnis: IS-Kurve

Beitragvon leo » Dienstag 10. Juli 2012, 16:36

Hallo,

ich bin derzeit am Makro lernen und habe eine für mich wichtige Verständnisfrage.

Wir befinden uns im Gütermarkt, also betrachten wir die IS-Kurve im 4-Quadrantensystem.
Angenommen wir betrachten eine offene Volkswirtschaft mit Staat, dann heißt S ja nicht mehr Sparen, sondern Sickerverluste (Nachfrageentzüge) und I nicht mehr Investitionen sondern Injektionen (Nachfragezuführungen), richtig?
Schaue ich mir ein geschlossenes System ohne Staat an heißt es Sparen (Privat) = Investition (Unternehmen), richtig?


Beispiel 1: Die Steuern werden gesenkt.
Dabei betrachte ich als Ausgangspunkt, um die richtige Verschiebung der IS-Kurve zu realisieren, den Quadranten mit der Sickerverlust-Kurve, also S(y).
Nach meinen Verständnis, und ich hoffe ich liege da richtig, dreht sich die S(y)-Kurve nach rechts (könnte sie sich auf parallel nach rechts unten verschieben?), der Anstieg sinkt also. Warum?
Meine Begründung: Die Nachfrageentzüge (also die, die auf der Y-Achse abgetragen sind) sinken, da die Nachfrage gesamtwirtschaftlich ja steigt, wenn die Steuern sinken, da mehr Einkommen zur Verfügung steht - es wird also weniger Nachfrage entzogen als vorher - richtig?

Beispiel 2: Importe werden erhöht. Die S(y) Kurve dreht sich nach oben (könnte sie sich auch parallel nach links oben verschieben?), also nach links. Warum?
Da mehr importiert wird, sinkt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage im Inland. Da der Teil der Nachfrage, der zuvor mehr da war, nun auf die Importe zugreift. Die innerländlichen Nachfrageentzüge steigen also. Die Importe fischen sozusagen die Nachfrage nach Gütern, die im Indland produziert worden, ab. Richtig?


Hoffentlich kann mir jemand kurzfristig weiterhelfen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir die Effekte richtig erkläre oder nicht....

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Martin
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Re: Verständnis: IS-Kurve

Beitragvon Martin » Dienstag 10. Juli 2012, 18:47

Bitte guck zunächst mal hier in einem anderen Beitrag zu der Konstruktion der IS-Kurve.


Das mit Sickerverlusten (SV) und Injektionen (Inj) ist richtig. Das korrekte Beschriften der Kurven sichert Dir bestimmt Punkte.

T=Steuern
Im=Importe

Änderungen von T bewirken eine Drehung und keine Parallelverschiebung, denn sie sind eigentlich von Y abhängig. Es gilt:
Die von Dir genannten Richtungen sind also m.E. richtig.

Bei der Begründung der Effekte würde ich näher an der grafischen Konstruktion bleiben. Aus meiner Sicht ist es besser, sich immer auf Inj=SV zu beziehen. Fallen die SV (z.B. wegen Steuersenkung) muss wegen Inj=SV auch die Injektionen zurückgehen. Damit die Inj sinken, müssen die Zinsen steigen. Die IS-Kurve muss sich folglich nach rechts verschieben. Gegenüber der Ausgangssituation wird jedem Y ein höheres i zugeordnet.

Guck mal im Rittenbruch ab der Seite 197.


Es ist alles schon ein Weilchen her, daher sind meine Ausführungen mit Vorsicht zu genießen.
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Re: Verständnis: IS-Kurve

Beitragvon leo » Dienstag 10. Juli 2012, 20:13

Okay, danke schon mal. Dann denke ich ja nicht verkehrt.

Du sagst, dass die Injektionen ebenfalls zurückgehen müssen, damit weiterhin das Gleichgewicht I=S gilt. Du meinst, dass dafür die Zinsen steigen müssten. Schau mal bitte unter folgenden Link (http://www.rsf.uni-greifswald.de/filead ... sungen.pdf) Seite 6. Dort ist eine Zinssenkung im 4-Quadranten System zu sehen.
Aber ich kann dort keine Senkung der Injektionen erkennen? Vielleicht kannst du mir dort nochmal helfen?


Und: Folgende Frage noch abschließend. Eine Senkung der marginalen Konsumquote hat ja zur Folge, dass die marginale Sparquote ansteigt, somit also der Anstieg der Sparfunktion erhöht wird, richtig?
Nun habe ich desöfteren versch. Dinge gelesen. Was stimmt nun? Erhöht sich das Einkommen, erhöht sich doch automatisch die marginale Konsumquote, da ich doch mehr konsumiere, wenn ich mehr Einkommen zur Verfügung habe, oder? Gleichzeitig spare ich weniger, wenn ich mehr Einkommen habe, es sinkt also die marginale Sparneigung. Richtig?
Umgekehrt bedeutet dies natürlich, sinkt das Einkommen, steigt die Sparneigung und die Konsumneigung sinkt.

Freue mich auf die Antwort :)

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Re: Verständnis: IS-Kurve

Beitragvon Martin » Dienstag 10. Juli 2012, 21:07

leo hat geschrieben:Du sagst, dass die Injektionen ebenfalls zurückgehen müssen, damit weiterhin das Gleichgewicht I=S gilt. Du meinst, dass dafür die Zinsen steigen müssten. Schau mal bitte unter folgenden Link (http://www.rsf.uni-greifswald.de/filead ... sungen.pdf) Seite 6. Dort ist eine Zinssenkung im 4-Quadranten System zu sehen.
Aber ich kann dort keine Senkung der Injektionen erkennen?


Vertipper? Du meinst die Steuersenkung auf Seite 6, oder?

An der Lage der Inj-Kurve ändert sich nichts. Nur derVergleich zeigt, dass die Inj bei jedem Y sinken.

Probier mal folgendes: Such Dir ein beliebiges Y auf der alten SV-Kurve und lote dann über die I=S-Bedingung auf die Inj-Kurve. Jetzt mach das gleiche mit dem gleichen Y und der neuen SV-Kurve. Du landest verglichen mit der Ausgangssituation bei einer niedrigeren Injektion. Die Grafik kann das vielleicht etwas verdeutlichen:

Geringere Sickerverluste  geringere Injektionen.jpg
Geringere Sickerverluste geringere Injektionen
Geringere Sickerverluste geringere Injektionen.jpg (14.84 KiB) 3755 mal betrachtet



leo hat geschrieben: Eine Senkung der marginalen Konsumquote hat ja zur Folge, dass die marginale Sparquote ansteigt, somit also der Anstieg der Sparfunktion erhöht wird, richtig?

Ja, denn die Sparquote ist das Gegenstück zur Konsumquote: s=1-c


leo hat geschrieben:Nun habe ich desöfteren versch. Dinge gelesen. Was stimmt nun? Erhöht sich das Einkommen, erhöht sich doch automatisch die marginale Konsumquote, da ich doch mehr konsumiere, wenn ich mehr Einkommen zur Verfügung habe, oder? Gleichzeitig spare ich weniger, wenn ich mehr Einkommen habe, es sinkt also die marginale Sparneigung. Richtig?
Umgekehrt bedeutet dies natürlich, sinkt das Einkommen, steigt die Sparneigung und die Konsumneigung sinkt.


So wie es steht ist es m.E. falsch. Du darfst "marginal" und "absolut" nicht verwechseln. Marginale Sparquote ist grafisch gesehen der Anstieg der Sparfunktion. Diese ist eine Gerade, das heißt, der Anstieg bleibt immer gleich. Die marginale Sparquote sagt ja, welcher Anteil einer zusätzlichen Einkommenseinheit für die Ersparnis verwendet wird. Bsp: Ist das Einkommen (Y) 100 Einheiten größer und hast Du eine Sparquote von 0,3, dann fließen genau 30 Einheiten in die Ersparnis. Es ändert sich also nichts an der marginalen Sparquote.

In absoluten Beträgen: Steigt Y, dann steigt absolut gesehen hier auch S und I, denn Y=C+I+... mit I=S.
Zuletzt geändert von Martin am Dienstag 10. Juli 2012, 21:24, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: In Grafik war Fehler, jetzt korrigiert; im letzten Satz war auch Fehler, korrigiert
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Re: Verständnis: IS-Kurve

Beitragvon leo » Dienstag 10. Juli 2012, 21:30

Hallo Martin.

Zum ersten: Super, vielen Dank. So wird es deutlich! Und ja, hatte mich vertippt und meinte eigentlich Steuersenkungen!

Auf was ich bei der Zusatzfrage hinaus will: Diese ist angelehnt an die Klausuraufgabe aus dem Sommersemester 2008, Nr.1c
"Zeigen und begründen Sie, wie sich die Lage der IS-Kurve unter der Annahme vollkommen zinsunelastischer Investitionen verändert, wenn sich die marginale Konsumneigung verringert"

Meine Lösung, mal fix mit Paint gemalt habe ich mit in den Anhang getan.

Erklärung: Dadurch, dass die marginale Konsumneigung sinken soll (laut Aufgabe) steigt die marginale Sparneigung, also verschiebt sich die IS-Kurve nach links (zu S2). Bedeutet: Ein Einkommens-Rückgang! Vom jetzigen Einkommen wird also mehr gespart als in der Ausgangssituation. Ist für mich eigentlich auch logisch. Habe ich weniger Geld zur Verfügung, achte ich mehr drauf und kaufe Güter, die günstiger sind. Ich spare also mehr als wenn ich mehr Einkommen zur Verfügung habe...

So, hätte ich die Klausuraufgabe 1c beantwortet...

EDIT:
Obwohl, wenn ich es mir nochmal anschaue, dann verändert sich der Sparbetrag ja gar nicht. Es ändert sich nur die marginale Sparneigung. Also: ich habe weniger Einkommen, spare davon aber (prozentual) mehr. Z.B. vor habe ich 20ct pro Euro gespart, jetzt spare ich 30ct pro Euro. Die Sparneigung hat sich erhöht, aber das Einkommen ist gesunken und auch die marginale Konsumneigung, ich konsumiere nur noch 70ct pro Euro und nicht mehr 80ct pro Euro
Dateianhänge
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IS.jpg (36.08 KiB) 3754 mal betrachtet

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Re: Verständnis: IS-Kurve

Beitragvon Martin » Dienstag 10. Juli 2012, 22:04

Also Konstruktion ist m.E. richtig.

Allerdings ist das ein Sonderfall. In diesem Sonderfall gab es vorher und gibt es nachher nur ein Y, in dem das Gleichgerwicht gilt. Dieser komische Sonderfall könnte dazu verleiten, von einem Einkommensrückgang zu sprechen. Es könnte das Einkommen aber auch bestehen bleiben, nur gibt es dann keinen Zinssatz, für das ein Gleichgewicht am Gütermarkt herrscht.

Ich hoffe, der Punkt wird klar.

Probier es am besten auch noch mal am Fall einer normal verlaufenden Injektionskurve.
Die IS Kurve bildet dann nämlich alle Einkommen-Zins-Kombinationen ab, für die ein Gleichgewicht am Gütermarkt gilt.

Es kann keine Aussage getroffen werden, wie "das Einkommen steigt". Man kann dann immer nur die IS-Kombinationen vorher / nachher vergleichen in der Art:
"Jedem Einkommen Y wird im Gütermarktgleichgewicht gegenüber der Ausgangssituation ein höherer / niedrigerer Zinssatz zugeordnet."
"Jedem Zinssatz i wird im Gütermarktgleichgewicht gegenüber der Ausgangssituation ein höheres / niedrigeres Einkommen zugeordnet."

Es geht wirklich nur um den geometrischen Zusammenhang.

Edit:
Ist für mich eigentlich auch logisch. Habe ich weniger Geld zur Verfügung, achte ich mehr drauf und kaufe Güter, die günstiger sind. Ich spare also mehr als wenn ich mehr Einkommen zur Verfügung habe

Auch wenn Du Dich korrigiert hast. Solche Überlegungen verwirren eher. Probier das lieber nicht aus einzelwirtschaftlicher Sicht zu begründen. Letztlich sind nur die Annahmen entscheidend.
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Re: Verständnis: IS-Kurve

Beitragvon A Fortunate » Mittwoch 11. Juli 2012, 14:58

Hey,
Ich hab mal einer Frage bezüglich der Beschriftungen an den Graphen. Also ich weiß ja dank der Mikroklausur das der Herr Rohde da sehr viel Wert drauflegt. Nur wenn ich z.B. die IS Kurve im 4 Quadrantenschema mit zwei Punkten herleite wird das sehr voll auf meinem Blatt wenn ich an die Achsen alle Beschriftungen ausschreibe.

Kann ich das wie inder Vorlesung abkürzen oder soll vielleicht eine Legende dazu schreiben...

Wie habt ihr älteren Semester dieses Problem denn gelöst???

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Re: Verständnis: IS-Kurve

Beitragvon leo » Mittwoch 11. Juli 2012, 15:43

Was meinst du mir Beschriftungen ausschreiben?

Man benötigt doch nur folgende Abkürzungen: i, I, y, S für die Achsenbeschriftungen.... Dann beschriftest du noch die Kurven. Herleitung mit 2 Punkten zeichnest du einfach 2 "Spinnennetze" mit gestrichelten Linien... Dort, wo die Spinnennetze auf Achsen treffen beschriftest du diesen Punkt je nachdem...z.B. y1 und y2...

Das wars doch dann schon.. Da brauchst du nichts ausschreiben... Herr Rohde weiß schon, dass i=Zins ist und y=Einkommen usw...


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