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Ein paar Fragen [u.a. Wertberichtigung auf Forderungen; RAP]

Bilanzierung, Buchung von Geschäftsvorfällen, Jahresabschluss, IFRS oder HGB
Kargero
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Ein paar Fragen [u.a. Wertberichtigung auf Forderungen; RAP]

Beitragvon Kargero » Donnerstag 26. Januar 2012, 13:58

Hi Leute ich habe ein paar Fragen an euch. Es geht mir um das Verständnis von Konton bzw. wann ich wie was buche.

Also wie buche ich bzw was sagen folgende Dinge aus:

Rechnungsabgrenzungsposten(RAPaktiv/passiv)
Dubiose
Pauschalwertberichtigung

Danke schon einmal im vorraus

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Martin
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Re: Ein paar Fragen

Beitragvon Martin » Donnerstag 26. Januar 2012, 14:49

Erstmal zum Thema Forderungen / dubiose Forderungen / Pauschal- und Einzelwertberichtigung

Du hast ein Konto "Forderungen". Auf diesem befinden sich alle Deine Forderungen gegenüber Kunden.

Wichtig: Forderungskonten sind Bruttokonten, d.h. inkl. USt. (sofern USt. ausgewiesen werden darf)!

Am Ende des Jahres beurteilst Du die Forderungen hinsichtlich ihrer Erbringlichkeit. Erbringlichkeit meint die Wahrscheinlichkeit, mit der die Forderung auch irgendwann bezahlt / teilweise bezahlt / nicht bezahlt wird.

Man unterteilt:
- einwandfreie Forderungen (Erfüllung x=100%)
- zweifelhafte (auch: dubiose) Forderungen (wahrscheinlicher Ausfall; Erfüllung 0<x<100%)
- uneinbringliche Forderungen (sicherer Ausfall; Erfüllung x=0%)

Du möchtest also am Jahresende die Forderungen berichtigen. Es gibt Einzelwertberichtigungen (z.B. ein Kunde meldet Insolvenzverfahren an) und Pauschalwertberichtigungen. Pauschalwertberichtigungen ergeben sich aus statistischen Berechnungen und sind für Unternehmen mit sehr vielen Forderungen geeignet.

Es gilt: Einzelwertberichtigung vor Pauschalwertberichtigung!

Hast Du eine zweifelhafte Forderung, buchst Du diese mit Ust. auf ein separates Konto.
Jetzt berechnest Du den Nettobetrag dieser Forderung. Von dem Nettobetrag schreibst Du den Ausfallbetrag ab.

Jetzt widmest Du Dich wieder dem Forderungskonto. Berechne den Netto-Gesamtforderungsbetrag und nimm die Pauschalwertberichtigung vor.

Achtung: USt. wird immer erst korrigiert, wenn der Zahlungsausfall sicher ist (z.B. wenn das Gericht feststellt, dass die Forderung unberechtigt ist) oder wenn der Teilbetrag endgültig überwiesen wurde (z.B. wenn Insolvenzmasse nicht ausreicht und Du nur einen Teilbetrag erhältst).


Beispiel:

Du hast Forderungen aus LuL von 122570€ (brutto).
Schulze hat bei Dir Rechnung über 3570€ inkl. USt. offen.
Schulze hat ein Insolvenzverfahren eröffnet. Du rechnest mit einem Forderungsausfall i.H.v. 50%.
Aus den vergangenen Perioden weißt Du, dass mit einem durchschnittlichen Forderungsausfall von 1% zu rechnen ist.

Einzelwertberichtigung
Herausbuchen der zweifelhaften (dubiosen) Forderung
Buchungssatz: dubiose Forderungen 3570 an Forderungen 3570

Abschreibung auf die dubiose Schulze-Forderung
Nettobetrag berechnen: 3570*100/119=3000
wahrscheinlicher Ausfall: 3000*0,5=1500
Buchungssatz: Abschreibung auf Forderungen 1500 an dubiose Forderungen 1500

Pauschalwertberichtigung
Nettobetrag berechnen (122570-3570)*100/119=100000
Pauschalwertberichtigung: 100000*0,01=1000
Buchungssatz: Pauschalwertberichtigung 1000 an Forderungen 1000
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Re: Ein paar Fragen

Beitragvon Martin » Donnerstag 26. Januar 2012, 15:04

Jetzt zum Thema aktiver oder passiver Rechnungsabgrenzungsposten.

Der gewerbliche Mieter Schultze überweist dem Vermieter Mayer am 30.06.01 den Mietbetrag für die nächsten 8 Monate i.H.v. gesamt 8000€.

Aus der Sicht des Mieters Schultze: Er hat etwas bezahlt, wofür er noch keine Gegenleistung erhalten hat.
Aus der Sicht des Vermieters Mayer: Er hat auf einen Schlag Geld bekommen, obwohl er die Leistungen erst in den nächsten Monaten erbringt.

Problem: Beide wollen eine periodengerechte Darstellung des Mietaufwands- bzw. Mietertrags in der Bilanz, also bilden sie sog. Rechnungsabgrenzungsposten (RAP).

Schultze hat einen aktiven RAP, denn er hat "noch etwas gut" bei dem Mayer.
Mayer bildet einen passiven RAP, denn er schuldet dem Schultze noch die Leistung.

Am Ende jedes Monats verringert sich der jeweilige RAP:
Schultze bucht: Mietaufwand 1000 an aktiver RAP 1000
Mayer bucht: passiver RAP 1000 an Mietertrag 1000

Am Ende des Jahres 01 enthalten die Bilanzen der beiden Unternehmen folgende Bestandteile:

Schultze
aktiver RAP 1000 (denn er hatte schon einen Monat aus 02 bezahlt)

Mayer
passiver RAP 1000 (denn er hat schon das Geld für Januar 02 erhalten)

Ich hoffe, ich konnte helfen.
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Re: Ein paar Fragen

Beitragvon Martin » Donnerstag 26. Januar 2012, 15:28

Das Buch fand ich für solche Fragen zum Rechnungsabgrenzungsposten / Forderungen / (...) übrigens immer sehr hilfreich und hatte es für die Vorlesung "Technik des betrieblichen Rechnungswesens" von Dr. Frank Becher und als Wiederholungslektüre für die Vorlesung von Prof. Mindermann "Externes Rechnungswesen" benutzt.

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Re: Ein paar Fragen

Beitragvon Kargero » Freitag 27. Januar 2012, 11:19

Danke Martin für diese schnelle und gut verständliche Antwort.

ich habe nur noch eine Nachfrage. du sagst ja, dass:


Abschreibung auf die dubiose Schulze-Forderung
Nettobetrag berechnen: 3570*100/119=3000
wahrscheinlicher Ausfall: 3000*0,5=1500
Buchungssatz: Abschreibung auf Forderungen 1500 an dubiose Forderungen 1500

diese 1500 sind doch der wert der abgeschrieben wurde und nicht der der "übrigbleibt".

also wenn der zahlungsausfall nicht 50% sondern 60% betragen würde, würde der buchungssatz folgendwermaßen aussehen:

Abschreibungen auf Forderungen 1800 an dubiose Forderungen 1800

habe ich das richtig verstanden?

Kargero
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Re: Ein paar Fragen

Beitragvon Kargero » Freitag 27. Januar 2012, 11:36

ich habe da noch mal was gerechnet.

Klausur WS 08/09

Aufg5.

UST 10%
ursprüngliche Forderung 11000€
12.11.01: Kunde hat Zahlungsschwierigkeiten, wahrscheinlicher Ausfall von 30%
15.01.02: Konkursverwalter überweist 80%


a) 12.11.01
 Dubiose Forderung 11000 an Ford. L.u.L. 11000
Nettobetrag: 10000€
Wahrscheinlicher Ausfall: 3000€
 Abschreibungen auf Forderung 3000 an dubiose Forderungen 3000

15.01.02
 Bank 8800 an Forderung L.u.L. 8000
berechnete UST 200 sonst. Betr. Ertrag 1000

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Re: Ein paar Fragen

Beitragvon Martin » Sonntag 29. Januar 2012, 15:31

Kargero hat geschrieben:also wenn der zahlungsausfall nicht 50% sondern 60% betragen würde, würde der buchungssatz folgendwermaßen aussehen:

Abschreibungen auf Forderungen 1800 an dubiose Forderungen 1800

habe ich das richtig verstanden?


Ja, so würde ich das auch buchen.

Kargero hat geschrieben:a) 12.11.01
 Dubiose Forderung 11000 an Ford. L.u.L. 11000
Nettobetrag: 10000€
Wahrscheinlicher Ausfall: 3000€
 Abschreibungen auf Forderung 3000 an dubiose Forderungen 3000

15.01.02
 Bank 8800 an Forderung L.u.L. 8000
berechnete UST 200 sonst. Betr. Ertrag 1000

Die erste Buchung ist m.E. korrekt. Bei der 2. Buchung (15.01.02) muss das Konto "Dubiose Forderungen" einbezogen werden, da sich dort jetzt die zweifelhafte Forderung befindet. Also fast richtig.

Bank 8800, USt. 200 an Dubiose Forderung 8000, sonst betriebl. Ertrag 1000

(Leider habe ich meinen Buch gerade nicht zur Hand, bin mir nicht 100%-ig sicher.)
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Re: Ein paar Fragen

Beitragvon Kargero » Montag 30. Januar 2012, 10:59

du hast recht. da muss dubiose forderung hin. habe ich mich wohl verschrieben


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